Sind Sie auch ein Mensch, der den Mut hat, seinen eigenen Weg zu gehen? ERGO unterstützt Selbstverwirklicher mit dem Award Dein Weg€œ. So hieߟ es bis zum 24. Oktober und es geht weiter. Ich habe bei diesem Wettbewerb nicht mit einer Einreichung mitgemacht, sondern war eingeladen als Jury-Mitglied über die Träume und Wünsche der Mitmacher zu urteilen bzw. eine Vorauswahl für das Publikumsvoting zu treffen. Meine Gedanken als Jury-Mitglied habe ich hier aufgeschrieben. Sie sollen helfen, wenn Sie sich bewerben wollen – bei einem der nächsten Awards oder Wettbewerben – egal wo und mit welchem Thema. 

Jurymitglied beim ERGO-Wettbewerb

Ein Wettbewerb, der sehr private Emotionen freisetzt oder Leute dazu bringt, vollständige Businesspläne abzuliefern – spannend, welche Bandbreite an schriftlichen Einreichungen einer Jury für eine Vorabauswahl vorliegen kann. ܜber 250 Seiten PDF von 79 Bewerbern liegen vor einem, wenn man die Aufgabe angenommen hat, als eines von fünf Jurymitgliedern die Vorabsichtung vorzunehmen. Ohne Randbemerkungen und Notizen verliert man schnell die Übersicht. Man möchte doch auch gerecht sein, Qualität loben und ebenso leichte Verfehlungen im Thema oder in der Art der Einreichung berücksichtigen. Wobei das wirklich sehr wenige Beiträge waren, die „so gar nicht gingen“. Doch man kann nicht nur objektiv sein, denn eine „Geschichte“ muss einen auch berühren. Gar nicht mal unbedingt persönlich, sondern aus sich selbst heraus.

Begeistern Sie die Jury

Toll, wenn man eine zwei Seiten lange Geschichte vor sich hat, bei der man schon nach drei Sätzen weiߟ, dass man viel zu neugierig ist, um diese nur zu überfliegen. Wenn die Autorin oder der Autor nach 15 Sekunden Lesezeit einen gepackt hat, dass man gar nicht mehr aufhören kann – DAS ist das erste Ziel, finde ich. Dabei spielt sogar das Thema eine eher untergeordnete Rolle. Ich interessiere mich wirklich Zero und Null für Wassersportarten, doch auch hier lasse ich mich ausnahmsweise von einer guten Schreibe gern fesseln.

Langweilen Sie die Jury nicht, sie hat viel zu tun

Ganz ehrlich? Ich habe bei dem Stapel an Einreichungen erstmal gestöhnt, dass ich nun alles durcharbeiten muss. Deshalb habe ich auch umso mehr bei jeder schönen Geschichte gefreut, dass ich unterhalten wurde, dass ich mitfühlen durfte, dass ich Spaߟ beim Lesen hatte. Bei jeder anderen Geschichte, die zu lang, zu langweilig, zu offensichtlich egoistisch war und Wünsche betraf, die jeder irgendwie hat, habe ich angefangen quer zu lesen. Das Gute dabei für mich: ich musste mich schnell entscheiden, was ich gut finde und nominiere und hatte dabei eine Riesenauswahl.

Was gehört zu einer guten Einreichung dazu?

  • Der richtige Titel
    Schreiben Sie nie nur den Titel des Wettbewerbs als ܜberschrift. Das ist so ziemlich das Schlimmste, was Sie tun können. Schreiben Sie etwas ganz anderes, lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf, treffen Sie den Punkt, machen Sie neugierig, aber heischen Sie nicht übertrieben nach Aufmerksamkeit. Weisen Sie aber auf den Wettbewerb hin – das kann auch erst zum Ende des Artikels sein.
  • Die äuߟere Form/Erscheinungsbild
    Aufteilung, ܜbersichtlichkeit (ܜberschriften, Zwischenüberschriften, Absätze, Aufzählungen) sowie ein ansprechendes Layout insgesamt. Steigern Sie die Lesbarkeit mit der Wahl der richtigen Schriftgröߟe und Schriftart.
    Fetten und Unterstreichen Sie sparsam, achten Sie auf Rechtschreibfehler und den Satzbau. Benutzen Sie aktive Sprache, die lebendig wirkt.
  • Informative Zusatzinformationen
    Nicht zuviel und nicht zuwenig – alles, was zum Verständnis beiträgt, ist unbedingt hinzuzufügen. Wenn nötig und sinnvoll, dann auch in tabellarischer Form oder mittels einer Illustration oder mit Fotos. Auf keinen Fall eine ganze Galerie, denn nach dem zweiten/dritten Bild wird man unaufmerksamer. ܜbersichtlichkeit ist Trumpf. Ebenso sind externe Links nicht gut, wenn es um eine zusätzliche Information geht. Die Jury hat meistens keine Zeit, um solchen Links nachzugehen. Wenn doch, dann nur, wenn Sie sicher sind, dass es eher ein kleiner Teilnehmerkreis ist, dann sind Zusatzinformationen, die wahlweise aber nicht zwingend zum Verständnis gelesen werden müssen, auch sinnvoll.
  • Keinen Businessplan erstellen
    Sogar wenn es darum geht, dass man sich um ein Preisgeld bewirbt oder man den guten Zweck herausstellen möchte: ein Businessplan ist für eine Jury nicht geeignet. Ich kann sehr wohl etwas mit einem Businessplan anfangen, aber ich beurteile nicht wie eine Bank bei der Kreditvergabe. Eine plausible Darstellung, die nachvollziehbar formuliert und fundiert ist, reicht völlig aus. So wenig wie möglich und so viel wie nötig.
  • Keinen sachlichen Lebenslauf beilegen
    Gerade bei narrativen und emotional geprägten Wettbewerben sollte man darauf achten, dass man nicht anfängt chronologisch aufzuzählen, was man alles gemacht hat. Jeder Personaler, der einen einstellen möchte, braucht einen Lebenslauf. Bei einer Blogparade oder bei einem Wettbewerb möchte ich mir nur kurz einen Einblick verschaffen, wie ich die Person einschätzen kann. Ganz gleich, ob ich als Jurymitglied fungiere oder ob es für eine öffentliche Abstimmung geschrieben ist, bei der Stimmen für den eigenen Beitrag gewonnen werden sollen. Ausnahme:  Ein Lebenslauf in irgendeiner Form wird ausdrücklich verlangt, dann fügen sie ihn Ihrer Bewerbung hinzu.
  • Zielgruppe festlegen
    Beim Schreiben jedes Briefs, jedes Artikels und auch bei jeder Bewerbung bei Wettbewerben stelle ich mir vor, dass ich eine bestimmte Personengruppe ansprechen möchte. Nichts ist für alle interessant, nichts gefällt allen gleich gut. Also „spezialisiere“ ich mich und versuche konfliktfrei für mich selber eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen. Für die Jury zu schreiben ist ebenso schlecht, wenn das Publikum hinterher votieren soll und zu einer ganz anderen Zielgruppe gehört. Die Jury ist zwar vielleicht „strenger“, aber sie honoriert ganz sicherlich eine gute Einreichung, auch wenn nachvollziehbar der eigene Geschmack nicht getroffen wird. Das Publikum ist da wesentlich „gnadenloser“ in der Beurteilung und Wertung und geht meistens nach der eigenen Interessenslage.
  • Sprache
    Zusammen mit der Wahl der Zielgruppe haben Sie sich letztlich auch für eine „Sprache“ entschieden. Ich meine keine Landessprache, sondern die Art der Sprache – selbstverständlich sollte die Landessprache dem Wettbewerb entsprechen. Also mische ich nur in begründeten Fällen oder als eigenes Stilmittel z. B. Fachsprache mit Umgangssprache. Fremdwörter sollten allgemein verständlich sein und könnten ggf. in einer Legende oder in Klammern hinter dem Wort erklärt sein. Man „imprägniert“ (kleiner Wortwitz) nicht mit Fremdwörtern, zeigt aber eine Kompetenz mit Fachwörtern und imponiert. Noch ein Tipp dazu: Schreiben Sie nur solche Wörter, die Sie auch im Alltag in einer Fachdiskussion verwenden würden und die Sie vorher und nachher nicht nachschlagen müssen. Wortwitz (so wie ich ihn gern verwende, s. o.) darf nicht missverständlich sein. Spielen Sie aber dennoch mit Wörtern und variieren Sie oft genutzte Begriffe und Eigenschaften, damit es nicht langweilig wird.
  • Privates und Persönliches unterscheiden
    Gerade wenn es um einen Lebensweg oder Leidensweg, eine Lebensaufgabe, eine Vision oder einen Herzenswunsch geht, dann kann man das sehr schön persönlich begründen. Berühren Sie den Leser / die Leserin, falls es um Herzensdinge oder Obsessionen geht. Aber tun Sie bitte eins nie: Seelen-Striptease privater Natur. Damit meine ich, dass Sie unnötig viele private Dinge, die man normalerweise nur seiner besten Freundin oder in der Familie erzählt, einer breiten Leserschaft zur Verfügung stellen. Natürlich ist das auch Geschmackssache, was man wie weitererzählt, aber denken Sie mal an Dinge, mit denen Sie dann immer wieder verbunden werden. Wollen Sie das? Wenn ja, dann gut, wenn nicht, dann lassen. Manches, was ich las, hätte ich lieber nie erfahren (schmunzel). Privates sollte privat bleiben.
  • „Betteln“ Sie nie darum, dass Sie gewinnen mögen
    Noch etwas, was nicht gut ankommt, sind Sätze wie „… hoffe, dass ich gewinne“ oder „ich könnte das Preisgeld gut gebrauchen“. Das sollte aus der Geschichte selber herauskommen. Wenn Sie von vornherein vorhaben, den Gewinn zu spenden oder für Ihr Vorhaben einsetzen möchten, können Sie das selbstverständlich erwähnen. Aber betonen Sie es nicht übermäߟig, bitte.
  • Konzept für die Geschichte – Storytelling
    Beginnen Sie mit Stichworten, wie Sie Ihre Geschichte aufbauen möchten, daraus können sich z. B. auch Zwischenüberschriften ergeben (empfehlenswert). Strukturieren Sie vorher und bauen Sie sich die Geschichte langsam auf. Vielleicht erzählen Sie die Geschichte auch vorher mal so, wie Sie sie schreiben würden. Achten Sie auf Zwischenfragen / Verständnisfragen Ihrer Zuhörer. Ergänzen Sie die fehlenden Fakten. Und nun – während des Schreibens – machen Sie neugierig (ohne Übertreibung), nehmen Sie die Leser auf die Reise mit. Begeistern Sie mit ihrer Begeisterung, mit der Sie schreiben. Berühren Sie uns, wo Emotion Platz hat und sich entfalten kann.Schreiben Sie nicht zu ausführlich und nicht zu oberflächlich. Sie müssen nicht alles haarklein erzählen und erklären, aber der Kernpunkt Ihrer Geschichte ist wichtig und den dürfen Sie ausschmücken. Noch ein wichtiger Punkt: schreiben Sie flüssig und haben Sie Spaß beim Schreiben, das merken die Leser!

Sie haben nur eine Chance bei der Jury – der erste Eindruck zählt

Als Jury-Mitglied möchte man bei einer Einreichung zu einem Wettbewerb eine schnelle Übersicht bekommen, alles schnell verstehen und demnach beurteilen können. Viel hilft nicht viel, Nachfragen sollten aber auch nicht entstehen. Es fragt nämlich keiner nach, da die Zeit dazu gar nicht da ist. Fühlen Sie sich empathisch in die Jury hinein, aber reden Sie ihr nicht nach dem Mund.

Warum habe ich diese Tipps zusammengestellt?

Die erlebten Erfahrungen bei der Beurteilung von anderer Leute Text hat mich dazu gebracht, diesen Artikel zu schreiben. Ich möchte meine Eindrücke als Jury-Mitglied gern hilfreich weiter geben und hoffe, dass Sie bei einem der nächsten Wettbewerbe ein paar Dinge, die ich erwähnt habe und auf die ich Wert lege, berücksichtigen. Die Liste ist bestimmt nicht vollständig. Ich bin kein Maߟstab und ich bin nicht bei jedem Wettbewerb ein Jury-Mitglied, aber auch immer ein interessierter und gleichzeitig kritischer Leser. Nichts anderes sind Jurymitglieder.

Viel Erfolg bei einer Ihrer nächsten Teilnahmen eines Awards / Wettbewerbes!

Weiterführende Links:
Die Jury für den erwähnten Wettbewerb (sollte man immer lesen, wer teilnimmt, bevor man mitmacht)
Die Vorauswahl der Jury (die nominierten zwanzig aus fast achtzig)

Foto: Skoda (Torsten Zimmermann)

Disclosure: ERGO hat mich als Jury-Mitglied eingeladen und Reisekosten, Spesen sowie eine Aufwandsentschädigung übernommen. Der Artikel ist auf meinen eigenen Schreibwunsch entstanden und meine eigene Meinung.